Tage 8 und 9, Donnerstag und Freitag 4. und 5. September
Leute einschleusen in verbotene Zonen.
Es war der erste Trainingstag mit meinem Trainer. Ich hatte für meinen Vater und meinen Trainer eine Gästekarte für das Paralympic Village beantragt und bekommen. Mit dieser Karte kommt man in die Internationale Zone und ins Village, aber nicht aufs Trainingsgelände beim Vogelnest. Ich hatte das Sicherheitsdispositiv infiltriert und mir Gedanken gemacht, wie ich die beiden ins Vogelnest bringe. Vom Village fährt ein Bus zum Stadion hinaus, direkt ins Vogelnest hinein. Beim Village gibt’s einen Busbahnhof bei dem das Sicherheitsdispositiv nicht all zu gross ist. Mit einer Gruppe Sportler habe ich meine Leute durchgeschleust, da nicht jeder seine Akkreditierung zeigen musste, was auch zu lange gehen würde. Als wir den Bus erreichten, hatten wir zu unsere Chance auf den Zugang zum Stadion extrem gesteigert, da der Bus ohne Kontrolle ins Stadion hineinfährt. Aus dem Bus ausgestiegen konnten wir durch die Hallen des Nationalstadions laufen und danach hinauf zum Warm-up Track. Dort durchliefen wir noch zwei neue Kontrollen die ich zuvor nicht bemerkt habe. Natürlich, wurden wir aufgehalten. Beim ersten mal, musst nur ich meine Akkreditierung zeigen und die anderen nicht, dass reichte um weiterzukommen. Bei der letzten Kontrolle liefen wir einfach durch. Ein Kontrolleur bemerkt aber, dass mein Vater nicht die richtige Akkreditierung hatte, mein Trainer lief einfach weiter, ich musst mir was einfallen lassen. Ich hatte das Glück das der Chinese nicht richtig Englisch konnte, dies gab mir Spielraum. Ich erzählte im was vom Chef des IPC`s und einer Spezial Genehmigung und das reichte um ihn zu aus dem Weg zu räumen.
Zum Training selbst. Bei den Starts hatte ich ein gutes Gefühl, spritzig, gutes Umsetzen in einen zügigen hohen Schritt. Danach gab’s noch einen lockeren 220m Lauf, in ca. 27.50s. Für mich war es wieder ein gutes Gefühl unter meinen Leuten zu trainieren.
Danach ging’s zurück zum Busbahnhof. Bei der Kontrollzone zum Village gab’s zum ersten mal einen kleinen Aufstand, da die Kontrolleurin bemerkte, dass meine beiden Gäste, in einer Zone waren, für die sie keine gültige Akkreditierung hatten. Wir konnten uns dennoch gut aus der Affäre ziehen und unbeschadet ins Village Gelände zurückkehren.
Danach ging’s noch was essen und ich machte mit ihnen eine Führung durch das ganze Village. Für mich endete der Tag mit Physiotherapie.
In der Sonntagszeitung abgebildet.
Am 5. konnte ich mit meinem Coach legal auf einer Finnenbahn, die mit einem Tartanbelag überzogen war, trainieren. Natürlich war das nicht das Gelbe vom Ei. Das Training bestand aus einem Kraftteil und ein wenig kurzen schnell Läufen, um den Antritt zu verbessern.
Eigentlich ist es schon eine absolute Frechheit das unsere Delegation Gurus, für uns beide nicht einmal eine Leichtathletikanlage finden wo ich und mein Trainer, trainieren können, ohne eine Akkreditierung zu brauchen. Wenn man ihnen zuhört, hört man immer, man wolle nur das Beste für den Athleten. Nicht einmal so eine Kleinigkeit bringen diese auf die Reihe. Ich weiss auch nicht.
Am Sonntag habe ich Premiere in der Sonntagszeitung. Es wird ein Artikel über die Paralympics abgedrückt und natürlich brauchen diese auch Bilder.
Ein Fotograf von Keystone und ein Reporter haben mich zu einem Fototermin, zusammen mit dem Nationalstadion von Peking eingeladen. Es wurden richtig geile Fotos. Ich möchte euch noch nicht zu viel verraten, seht selber. Während dieses Termins, kam noch ein japanischer Fotograf und diverse Voluntiers die ebenfalls einen Abzug haben wollten. Es war ein richtig tolles Erlebnis. Also Leute, bitte mir auch ein Exemplar aufbewahren.
Definitiv keine Staffel
Leider muss euch berichten, dass der Protest der Klassifizierung von Simon Vögeli abgewiesen wurde. Damit wird es in Peking keine Staffel geben. Das ist schon tragisch, da hatten wir so zielstrebig daraufhin gearbeitet und dann kassieren wir eine mitten ins Gesicht. Ich würde trotzdem die Staffel laufen lassen, ist egal wenn wir danach halt disqualifiziert werden, wir würden unser Gesicht nicht verlieren. Wir würden noch einmal das Gefühl spüren, in einem fast vollen Stadion zu laufen, wo die Leute schreien, wo der Staffelstab von Läufer zu Läufer geht. Es geht noch einmal pures Adrenalin durch den Körper, es wäre noch einmal ein Gefühl das jeder von uns vier verdient hat. Was soll man dazu sagen.
Zeitplan
Darauf warten schon die meisten von euch:
Montag 100m Vorlauf Zeit bei euch: 14.15 Uhr
Dienstag ev. 100m Final Zeit bei euch: 12.00 Uhr
Samstag 200m Vorlauf Zeit bei euch: 4.30 Uhr
200m Final Zeit bei euch: 13.00 Uhr
4 bis 7 Tag 31.08.08 bis 03.09.08
Pfeilschnell und doch nur 80%?
Ich fasse euch die letzten paar Tag zusammen, da ich leider nicht oft zum schreiben gekommen bin.
In den letzten paar Tagen ist viel passiert. Mein Trainer und mein Vater sind in Beijing eingeflogen, sie werden mich, bis zum Anfang der Wettkämpf unterstützen und mir den letzten technischen Schliff für das Turnier geben. In den letzten Tagen hatte ich damit zu tun, herauszufinden wie ich meine Leute auf den Trainingsplatz, zu schmuggeln gedenke. Leider ist ein riesiges Sicherheitsdispositiv auf dem ganzen Olympia Gelände stationiert. Von Volontiers, Polizei, Militär bis zu den Zähnen bewaffnete Spezialpolizei auch genannt SWAT ist alles da. Es wird sicher nicht einfach.
Training
Ich habe schon E-Mails bekommen, bezüglich der Frage ob ich überhaupt trainiere. Ich kann euch beruhigen. Ich habe bis jetzt jeden Tag eine Trainingseinheit absolviert. Diese haben Starts, ein wenig Krafttraining im Kraftraum und natürlich Läufe auf der Bahn beinhaltet. Die Läufe auf der Bahn waren meist kurz und doch gespickt mit 1 bis 2 120m Läufen. Die Zeiten waren auch nicht schlecht, die 120m konnte ich zwischen 14.06s und 13.55s durchlaufen, mit einer Intensität zwischen 80 und 95 Prozent. Also locker bis zügig, oder wie ich gerne sage, gemütlich.
Gegner
Es hat auch sehr starke Gegner. Wie ich gehört und auch gesehen habe sind zwei Sprinter mit zwei Beinprothesen am Start, dazu kommen zwei Athleten die gar keine Prothesen besitzen, die leider auch bei uns eingeteilt sind. Dazu kommen eine Handvoll Sprinter, die bisher schon mehrmals unter 12s gelaufen sind. Es wird also eine sehr schwierige Aufgabe in den Final zu kommen. Nichts desto trotz, werde ich 101 Prozent aus mir herausholen um die Überraschung zu schaffen. Ein Diplom wäre für mich wie eine Medaille. Dafür habe ich die letzten 4 Jahre trainiert, dass ich hier mit den besten der Welt, in einem Paralympiafinal, mit sprinten kann.
Ausflug
Jetzt darf ich euch noch von einem Ausflug erzählen, den ich an meinem freien Tag unternommen habe. Wir waren auf den Minggräbern wo die früheren Kaiser der Mingdynastie beerdigt wurden. Leider war es nicht so ein toller Ausflug auf die Gräber, diese waren nicht so der Hit. Gottseidank kriegten wir nur eines zu Gesicht. Ich hatte mir wahrscheinlich auch ein bisschen zu viel vorgestellt. Gräber die mit Kronleuchtern und vielen Skulpturen, wie Schlangenköpfe und Drachenkörper, geschmückt wurden, Bilder die in die Wand gemeisselt wurden usw. Leider wurde ich enttäuscht, nichts von alldem, nur Kisten wo der Kaiser und seine Frauen beigesetzt wurden.
Zum Mittagessen gab es wiedermal traditionell chinesisches Essen mit schlaberzeugs und so. Ich blieb bei meiner Schüssel Reis. Gut hat heute der Mc Donalds aufgemacht im Village. Da konnte ich wunderbar das Mittag- und Nachtessen wieder aufholen.
Nach dem Mittagessen ging’s weiter auf die chinesische Mauer. Es war schon unglaublich eindrücklich wie lange breit diese Mauer ist. Sie war auch zum Teil sehr steil.
Zum Thema Staffel:
Leider wird es zu 95% Prozent keine Staffel geben. Da unser handamputierter Startläufer Simon Vögeli nicht klassifiziert wurde. Klassifiziert heisst: Jeder Athlet wird bei seinem ersten Internationalen Einsatz klassifiziert, das heisst er wird einer Klasse zugewissen oder eben auch nicht. Simon ist Handamputiert, da die Kontrolleure den Ansatz seines Handknöchels gefunden haben und noch zusätzlich 7cm Handknochen wird er nicht klassifiziert. Das heisst für ihn keinen Start an den Paralympics und für uns keine 4x100m Staffel. Jedenfalls wurde Rekurs einlegt und am Freitag kommt der endgültige Entscheid. Ich halte euch auf dem laufenden.
Bei allfälligen Fragen könnt ihr mir auch eine E-Mail schreiben unter c.bausch@hotmail.com oder eine Grussbotschaft von www.swissparalympic.ch und von dort weiter auf Beijing 2008.
Tag 3 Samstag 30.08.08
Umzug ins Olympic Village
Heute morgen zogen wir von unserem Hotel, Hon Fu Garden, ins Olympic Village. Ich kam meine Ruf wieder einmal gerecht, alles in letzter Minute zu packen und mir zusätzlich einen Stress zu machen. Mit der Busfahrt durch Beijing mussten wir erfahren, dass wir im äusseren Ring der Stadt einquartiert waren. Die Fahrt vom Hotel zum Village betrug etwa 45min. Wenn man in die City einfährt, kommen schlagartig die Hochhäuser und ab da ändert sich nichts mehr. Der Verkehr wird ca. auf sechs Spuren in die Innenstadt geführt.
Nach der Ankunft im Village, haben wir uns zuerst ans Mittagessen ranggemacht. Wer jetzt denkt, ich schreibe erneut eine eklige Essensgeschichte, hat sich getäuscht. Der Essenspark ist riesig und man kann alles haben was man möchte. Der Chefkoch muss Italiener sein. Von guter italienischer Pizza, über Teigwaren bis zur asiatischen Küche, alles ist drin. Es hat sogar einen Mc Donalds. Ich konnte mich wunderbar rehabilitieren, vom Standpunkt Essen gesehen.
Die Zimmer sind wunderschön und Mega geräumig, man kann sich in diesem Haus nur wohlfühlen. Man muss sich ein Wohnblock mit ungefähr 8 Stockwerken vorstellen. Jede Etage hat neun Zimmer und drei Aufenthaltsräume.
Am Nachmittag gingen einige von uns die Sportstadien besichtigen. Allen voran war das Nationalstadion, auch genannt Vogelnest, im Mittelpunkt des Interesses. Wenn man es nicht mit eigenen Augen gesehen hat, kann man dies sich nicht im entferntesten vorstellen, wie riesig das ist. Ich wurde ganz nervös, dass ich in mehr als einer Woche meinen ersten Einsatz in diesem Stadion habe. Zur Bahn kann ich nur eines sagen, Blitzeschnell. Sie ist relativ hart und Ultra Flach, nicht körnig.
Im grossen und ganzen habe ich mich gut eingelebt, hier im Olympic Village. Gewiss Fragen bleiben aber immer noch offen. An welchen Orten ich trainieren kann und wie man sich in der Stadt am besten von einem Punkt zum anderen bewegen kann. In knapp zwei Tagen trifft mein Trainer ein und ich hoffe dann geht’s richtig los mit dem Training.
Im grossen und ganzen geben sich die Chinesen viel Mühe mit dem Umgang mit uns. Jeder grüsst uns und wenn man Informationen braucht ist jeder breit Auskunft zu geben ob er jetzt meine Sprache versteht oder nicht.
Apropos, war heute mal schönes Wetter und wir haben die Sonne zum ersten mal gesehen. Der Smog war auch nicht so dominant , gleichzeigt ging’s mit dem Atmen schon besser. Jetzt ca. nach 3 Tagen fühle ich mich langsam fit, bin zwar immer noch etwas müde aber es geht langsam.
Positives: Sensationelles Villiage, mit sehr gutem Essen, schönen Zimmern, traumhafte Parkanlage. Imposantes Wettkampfstadion.
Negatives: Sehr weiter Weg vom Village ins Stadion. Leider hat es keine Leichtathletik Anlage in der Nähe zum trainieren.
Was man in Beijing unbedingt ändern sollte: Bitte gebt diesen Leuten, zusätzlich zur U-Bahn, doch noch so lässige Züri-Trämli dann haben die Ihren Autoverkehr hoffentlich besser im Griff.
Tag 2 Freitag 29.08.08
Erstes Morgenessen und Aufnahme des Trainings.
Ich musste heute Morgen feststellen das, dass Morgenessen ebenfalls gewöhnungsbedürftig ist. Es gab alles Mögliche von Speck bis Schrimps und wiederum schlabbriges Zeugs. Ich beschränkte mich auf ein Paar kleine Gipfeli, zwei Toaste und einen Orangensaft. Wobei ich feststellen musste das der Orangensaft hier heiss serviert wird, was mich nicht sonderlich bekam.
Etwa um 11 Uhr ging’s zum ersten Training, zu dem Platz den wir am Tag zuvor besichtigten. Es war erdrückend heiss und da ich und unser Team so gegen an 7 Uhr aus den Federn kam, war ich wieder total auf der Schnauze. Dazu kam wieder diese Feuchtigkeit, die mir so wie so nicht gut tat.
Am Nachmittag setzte der Regen ein und Simon ,mein Zimmergenosse, und ich machten ein Ausflug ins Schwimmbad. Der Ausflug war Mega, tolle Rutschen ein riesiges Bassin und ein Parcours den wir mit einem Schlauchbot zurücklegen konnten.
Zum Nachtessen:
Leider muss ich hier wieder eine unschöne Essensgeschichte erzählen. Einmal abgesehen vom Reis und den Melonen kann man bis jetzt wenig bis gar nichts geniessen. Aber nach dem gegrillten Hühnerkopf im Poulet-topf, hatte ich auf gar nichts mehr Lust.
Nachdem Nachtessen ging ich und Simon auf einen kleinen Spaziergang. Als wir neugierig wurden und einmal von der Strasse in eine Seitengasse abzweigten, tat sich uns das echte Beijing auf. Auf einer mit Belag zusammengesetzte Strasse, reihten sich Laden an Laden, meist Supermärkte, Schuhgeschäfte, Schneiderläden und viele Krimskrams-läden. Drinnen war es meist üppig heiss, sowie die Preise. Für eine gewöhnliche Halbliter Coca Cola Flasche zahlten wir 25 Rappen.
Morgen werde ich wenn möglich weitere Eindrücke liefern. Wir ziehen um ins Olympic Village.
Positives: Heute hat es mal geregnet und die Luft wurde spürbar reingewaschen.
Negatives: Ein deutlich das Essen. Wie kann man einen Hühnerkopf in die Poulet-schüssel hineinlegen, oder wieso muss der Orangensaft heiss serviert werden und warum gibt es keine normale Brötchen am Morgen.
Sorry, aber man müsste alle Chinesen in die italienische Küche einweisen, dann wüssten die was gutes Essen bedeutet. ;)
Zitat des Tages: Sieht man hier auch mal die Sonne?
Tage 1 Donnerstag 28.08.08
Ankunft in Peking:
Es war eine äusserst abwechslungsreiche Reise nach Peking. Der Flug dauerte ca. 9h 30min. Wir bekamen etwa 3x zu Essen und ich konnte 3 Filme am Stück geniessen (Iron Man, Armageddon und zu guter letzt Kun Fu Panda).
Bei der Ankunft in Beijing musste ich erfahren, was heisst, in einer Smog Glocke zu leben. Um mich herum nur grau, zuerst dachte ich es sei Nebel und musste mir erklären lassen das dies Smog sei. Bis wir vom Flugzeug endlich im Hotel waren, vergingen sicher 3 Stunden wenn nicht mehr. Danach war Zeit für ein kleines Mittagsschläfchen (2h).
Am Mittag ging’s was kleines essen, wo alles irgendwie nach Seeschlange und anderes schlabbriges Zeugs aussah. Ich blieb bei einer Schüssel Reis und etwas das nach Gulasch aussah. Ich gehe immer noch davon aus, dass mich das am Tag zuvor gegessene 450g schwere T-Bone Steak ein Weilchen am Leben erhalten wird.
Es ging weiter zum Trainingsplatz. Ich erfuhr was grosse Hitze und eine hohe Luftfeuchtigkeit bedeutet, dazu kam noch die unaufhörliche Müdigkeit dazu. Es war die Hölle.
Der Tag Endete mit einem Gruppenfoto, einem Nachtessen (leider wieder mehr Schlangen antstatt T-Bone Steak) und einer kühlen Dusch. Feierabend um 21.00 Uhr.
Heute war ein Tag zum Vergessen, ich hoffe Morgen geht’s schon ein Stück besser da ich das erst Training ansetzten möchte. Wir werden sehen.
Positives: Nette Chinesen alle lächlen und zeigen dir den Weg zum Ausgang. (Am Flughafen)
Negatives: Hier versteht keine Schwein English geschweige den eine andere Sprache ausser chinesisch.
Was sollte sich in China Ändern: Unser Hotel sollte das T-Bone Steak im Angebot haben.